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Erziehung ist eine Herausforderung für sich

Kinder zu jungen und selbstständigen Erwachsenen zu erziehen ist schon eine Herausforderung für sich. Sie gelingt mal leichter und mal schwerer, mal gut und mal schlecht. Und selten wird es ohne Probleme und Schwierigkeiten abgehen.
Eltern sind wahrscheinlich zu allen Zeiten dann dem “guten” Rat zu der einen oder anderen Erziehungsmethode ausgesetzt gewesen. Ob es ich dabei um hilfreiche Rat-SCHLÄGE gehandelt hat, sei dahin gestellt.

Umgang mit ADHS-Herausforderungen ist wie eine Tour auf hoher, wilder See

Klar dürfte sein, dass nun Kinder und Jugendliche mit Entwicklungsbesonderheiten bzw. Störungen höherer Handlungsfunktionen aus dem ADHS-Spektrum ungleich grössere Herausforderungen an die “Erziehungsarbeit” von Eltern (oder auch professionellen Erziehern) stellen. Leider werden nun aber häufig pädagogische Empfehlungen ausgesprochen, die sich überhaupt nicht auf diese Herausforderungen beziehen. Also quasi C&A – Massenkonfektions-Ware für sehr besondere Anlässe und Situationen anbieten. Das kann passen, muss aber nicht. Und meistens passt es eben überhaupt nicht.

Wie ich in Vorträgen zu diesem Thema häufig ausführe : Wenn die Kids (bzw. auch Jugendliche und Erwachsene) mit diesen Methoden klar kommen WÜRDEN, dann stimmt wahrscheinlich die Diagnose nicht. Denn die nicht altersgemäss entwickelten Besonderheiten der höheren Handlungsfunktionen und die weiteren ADHS-Kriterien verunmöglichen doch gerade, dass man über normale lerntheoretische Ansätze der Erziehung oder auch Verhaltenstherapie dauerhaft zum Erfolg kommt.

Hinzu kommt, dass nun häufig weitere Familienmitglieder die gleichen (oder vielleicht sogar noch stärkere) Besonderheiten im Bereich der Exekutivfunktionen aufweisen. Um die Methoden anzuwenden, die in der ruhigen Umgebung der Verhaltenstherapiepraxis funktionieren, müsste man schon übermenschliche Fähigkeiten an Struktur und Selbstbeherrschung haben. Hat man aber natürlich nicht. Daher fühlen sich viele Eltern dann als Versager, wenn die Hinweise der Verhaltenstherapeuten bzw. aus dem Elterntraining zu Haus bzw. unter den stürmischen Gegebenheiten des Alltags nicht hinhauen.

Mir ist durchaus bewusst, dass viele Elterntrainer bzw. auch Ergotherapeuten bzw. Psychotherapeuten das selber auch schon gemerkt haben und sich darauf einstellen. Meistens so, dass eigentlich Coaching-Ansätze statt klassische Methoden des Elterntrainings oder gar Psychotherapie vermittelt werden.

Ein Coaching-Ansatz der Erziehung bzw. im Umgang mit ADHSlern wird also nicht im klassischen Sinne “erziehen”. Vielmehr wird man die Kids eher wie ein Trainer ermuntern und motivieren müssen und sie bei Erfolgen “erwischen”. Ziel ist dann eine bessere Alltags-Performance, d.h. die Möglichkeit auch wirklich im eigenen Leben klar zu kommen und die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.
Das schliesst klare Grenzen nicht aus. Im Gegenteil. Als Coach übernimmt man vielmehr für eine gewisse Zeit die Hirnfunktionen, die das Kind bzw. der Jugendliche (noch nicht) altersgemäss anwenden kann.

Der Coaching-Ansatz bedeutet dann :

  • Motivation und Stärken fördern und zur Anwendung im Alltag bringen
  • Verlässlichkeit und Vorhersehbarkeit übernehmen und leben (schwierig !)
  • konstruktives, wertschätzendes und authentisches Feedback geben
  • Den Perspektivenwechsel auf Chancen und Ziele unterstützen
  • Ziele und Träume des Kindes und Jugendlichen mit entwickeln und leben
  • Verstehen und Helfen, wenn der ADHSler in sich selber “blockiert” ist

Was gehört für Dich noch dazu ? Wie unterscheidet sich für Dich ein Coaching-Ansatz bei Exekutivfunktionen von herkömmlichen Methoden der Erziehung von “Kindern und Jugendlichen mit besonderem sonderpädagogischem Förderbedarf” ?