Seite auswählen

Henne oder Ei ?

Wenn ein Kind bzw. Jugendlicher mit einer ADHS-Konstitution an ausserschulischen Aktivitäten am Nachmittag teilnimmt, ist die Prognose bzw. der Schweregrad der ADHS-Symptomatik geringer. Das sagt jedenfalls eine neue Studie aus.

Schön und gut. Nun ist es aber nach meiner bescheidenen Erfahrung in diesem Bereich so, dass Kinder und Jugendliche mit einer ADHS-Symptomatik mit zusätzlicher Störung mit oppositionellem Trotzverhalten bzw. einer Störung des Sozialverhaltens halt immer wieder aus Sportvereinen oder anderen Aktivitäten am Nachmittag rausfliegen oder gar nicht erst aufgenommen werden.

Leider ist es insgesamt so, dass unsere Kinder heute weit weniger Zeit für Sportverein oder Jugendgruppen haben. Die Angebote sinken insgesamt. Die Schule wird länger und länger, zudem sind durch das Schliessen von Schulen immer mehr Kinder und Jugendlichen zu “Buskindern” geworden, die weite Wege und damit längere Zeiten für den Schulweg haben.

Das mögen neurotypische Kinder noch wegstecken. Für Kinder und Jugendliche aus dem ADHS-Spektrum bedeutet es aber eben, dass die Möglichkeiten für ein “normales” soziales Miteinander mit Gleichaltrigen immer weniger wird.

Der gesunde Menschenverstand und auch die Forschung sagen ja, dass weniger Bildschirmzeit bzw. mehr Zeit draussen und mit Sport oder Bewegung sich günstig auf die ADHS-Symptomatik auswirkt. Speziell die Exekutivfunktionen werden ja beim Sport und beim Spielen trainiert.

In der Studie wurden 4000 Kinder mit ADHS untersucht. Nach der Analyse der Aufzeichnungen  fanden die Ermittler heraus, dass fast 72 Prozent von ihnen an einer oder mehreren außerschulischen Aktivitäten teilnahmen.

Wenn sie es taten, verpassten sie weniger Schultage und hatten weniger schwere Symptome der Erkrankung.

 

Brown und ihre Kollegen identifizierten 4.185 Kinder im Alter von 5 bis 17 Jahren mit ADHS. Ihre Eltern hatten auch die Schwere des Zustands ihres Kindes, die Anzahl der Schultage, die in den letzten 12 Monaten aufgrund von Krankheit oder Verletzung versäumt wurden, und die Anzahl der Anrufe von der Schule nach Hause wegen eines Problems im Vorjahr gemeldet.

Die Analyse zeigte, dass Kinder mit ADHS, die an außerschulischen Aktivitäten teilgenommen hatten, fast 40 Prozent geringere Chancen hatten, dass es zu schweren Verhaltensstörungen bzw. Probleme mit Schwänzen oder Schulverweisen kommt.

Die Teilnahme an außerschulischen Aktivitäten war auch mit einer um 60 Prozent geringeren Quote von sieben oder mehr fehlenden Schultagen im Jahr verbunden.

Es wurden keine signifikanten Assoziationen zwischen der Teilnahme an außerschulischen Aktivitäten und dem Empfang von Anrufen aus der Schule festgestellt.

Letztlich stellt sich die Frage, wie man also ADHS-Kids auch ausserhalb der Schule in Aktivitäten von Sportvereinen oder Jugendgruppen integrieren kann. Dazu wäre es aus meiner Sicht wichtig, dass sich speziell die Jugendbetreuer von Vereinen bzw. Feuerwehr / DRK etc mit der Thematik von ADHS auseinander setzen.